Cloud Computing und Internet der Dinge (Internet of Things – IoT) verändern die bisher gewohnte IT-Landschaft in rasantem Maße. Es stellt sich die Frage, wie sich das Lizenzmanagement künftig aufstellen muss, um mit diesen Veränderungen Schritt  zu halten.

Wandel in der Kommunikation

Das sogenannte Internet der Dinge verändert die Kommunikation zwischen Geräten und Systemen. Hier ist eine fortschreitende Vernetzung der „Dinge“ (Maschinen, Smartphones, Fahrzeuge, Haustechniken, Warenverpackungen, Sensoren, Kameras etc.) bereits gelebte Realität.[1] Somit ist ein Wandel von ehemals weitgehend autonomen „Silos“ hin zu einem intelligenten Verbund, bei welchem die Daten mittels einer „Wolke“ (der Cloud) ausgetauscht werden, zu beobachten.

 

 

Prognosen gehen davon aus, dass es bis zu 50 Milliarden vernetzte Geräte bis zum Jahre 2020 geben wird.[2] Darüber hinaus werden voraussichtlich 90 % der Daten bis 2020 in Cloud-Plattformen gespeichert sein.[3]

Zwar gehen mit jener Entwicklung enorme Vorteile einher[4], wie folgende Beispiele zeigen:

So überwachen sich die Anlagen der Firma Heidelberger Druckmaschinen selbst und übermitteln ihre Messdaten über die Cloud an den Anlagenhersteller, der darüber in die Lage versetzt wird, losgelöst von starren Wartungsintervallen eine vorausschauende und bedarfsorientierte Wartung vorzunehmen.[5]

Ein anderes Beispiel ist die Logistiksteuerung des Hamburger Hafens, bei der alle teilnehmenden Transportmittel, ob LKW, Bahn oder Schiff und die damit verbundenen Warenflüsse über Sensoren überwacht und gesteuert werden, um eine möglichst reibungslose Abfertigung zu ermöglichen.

Bei allen Vorteilen ergibt sich jedoch auch konsequenterweise die Frage, wie sich das Lizenzmanagement unter diesen (neuen Rahmen-)Bedingungen aufstellen muss.

Neue Herausforderungen für das Lizenzmanagement

Cloud und IoT erweitern den Fokus des Lizenzmanagements nämlich massiv. Dabei sind drei Bereiche relevant, die das Internet der Dinge umfasst: das eigene Unternehmen, die Cloud und die IoT-Devices. Jeder Bereich hat seine eigenen Herausforderungen für das Lizenzmanagement.

Neue Servicemodelle wie der Microsoft Azure IoT Hub, Amazon AWS, SAP Leonardo oder Oracle Cloud Services basieren auf Events, verarbeiteten Daten, Interaktionen und Datendurchsatz.

Somit ergeben sich für das eigene Unternehmen folgende Fragen:

  • Sind die klassischen Lizenz-Metriken noch angemessen?
  • Können IoT- bzw. Cloud-Dienste auch von Fachabteilungen abonniert werden – ohne Mitwirkung der IT und ohne Kenntnis des Lizenzmanagements?
  • Nimmt das Auditrisiko zu?
  • Wenn Services fortan nur noch verbrauchsorientiert abgerechnet werden, welche Rolle spielt dann das Lizenzmanagement?
  • Wie kann die Nutzung von Cloud-Diensten geplant und überwacht werden?
  • Müssen Installationen von Endkunden in der eigenen Lizenzbilanz erfasst werden?
  • Sind hybride Lösungen (Cloud + On-Premise) auch möglich?

Im Kontext der Cloud scheinen u. a. nachstehende Fragen relevant:

  • Entstehen neue Compliancerisiken durch Nicht-Einhaltung von Nutzungsbestimmungen bei Cloud-Services?
  • Werden On-Premise-Lizenzen beim Übergang in die Cloud angerechnet?
  • Entspricht der Softwareeinsatz in der Cloud den Lizenzbestimmungen der Hersteller?
  • Haben Architektur und Infrastruktur des Cloud Services Providers Auswirkungen auf die Lizenzierung?
  • Wie ist die Lizenzierungssituation, wenn die Software der Druckmaschinen beim Endkunden über die Cloudservices eines Drittanbieters Wartungsdaten mit dem SAP-System des Herstellers (hier: Heidelberger Druckmaschinen) austauscht?
  • Wie groß ist die Abhängigkeit vom Betreiber der Cloud-Plattform?

Mit der Integration von IoT-Devices entstehen Herausforderungen wie z. B.:

  • Sind Milliarden neuer Endgeräte zu lizenzieren?
  • Werden Cloud-Services und IoT-Devices durch SAM-Tools unterstützt?
  • Fällt die Verbindung von Endgeräten beim Kunden mit den eigenen Systemen unter „indirekte Nutzung“?
  • Wie lassen sich die Abrechnungsparameter (z. B. Verbräuche, Devices) überwachen und optimieren?

Frühzeitig optimale Lizenzierungsmodelle sichern

Wenn Cloud oder IoT in Ihrem Unternehmen mittelfristig auf der Agenda steht, machen Sie es frühzeitig zum Thema in den Verträgen mit den Software-Herstellern, um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Vergegenwärtigen Sie sich der neuen Herausforderungen und sichern Sie sich möglichst optimale Lizenzierungsmodelle.

Denn klassische Lizenzmetriken wie z.B. nach Named User, Concurrent User, Zugriffen, Servern, Prozessoren und Devices werden mit Cloud und IoT obsolet.

Teilweise bestehen bei den großen Softwareherstellern unterschiedlichste Lizenzierungsmodelle für Cloud-Lösungen mit nicht selten sehr unübersichtlichen (und daher nur schwer überprüfbaren) Abrechnungsmodalitäten. Es ist zu erwarten, dass weitere Lizenzierungsmodelle auf den Markt kommen.[6]

Wechselt man von einer On-Premise zu einer cloudbasierten Lösung, bietet beispielsweise die SAP derzeit nur zwei Möglichkeiten: Doppellizenzierung oder Stilllegung. Die DSAG[7] fordert jedoch, dass bei einem Wechsel, unabhängig davon in welche Richtung dieser vollzogen wird, eine Anrechnung erfolgt, da niemand zweimal für dasselbe Produkt bezahlen möchte. Die SAP wird mit der Preisliste 2018 immerhin teilweise ein solches Lizenzmodell einführen.[8]

Daher sollte vor der Einführung von Cloud-Lösungen das Lizenzmanagement an der Gestaltung dessen beteiligt werden. Warten Sie nicht, bis Ihr Unternehmen Fakten geschaffen hat, die Ihre Verhandlungsposition gegenüber den Softwareherstellern erschweren.

Des Weiteren sollten rechtzeitig unternehmensweite Spielregeln für die Cloud-Nutzung definiert werden, um einen etwaigen „Wildwuchs“ entgegenzuwirken.

Kontrollsysteme zur Planung und Überwachung der Cloud-Nutzung sind – ähnlich wie beim „klassischen“ Lizenzmanagement – auch hier von essentieller Bedeutung.

So kann beispielsweise durch ein Friendly Audit die Compliance-Situation vorab gerade gerückt werden.

Auch in der Cloud existieren Serverarchitekturen, die Auswirkungen auf die Lizenzierung haben. Diese sollten im Auge behalten werden, sodass für eine Optimierung entlang der Lizenzbestimmungen gesorgt wird.

Wenn Sie auf eine hybride Lösung setzen, muss Ihr Lizenzmanagement sowohl auf den alten Wegen als auch auf den neuen Kanälen beraten. Hierbei liegt die Herausforderung an der Breite des relevanten Hintergrundwissens über alte und neue Modelle.

Fazit / Unsere Empfehlung: Komplexität der Lizenzierung wächst, daher frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen und Marktchancen nutzen

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Internet der Dinge auch das Lizenzmanagement verändern wird. Hier stellt bereits die Cloud neue Anforderungen an die Lizenzierungen.

Mit IoT wird es nicht einfacher, sondern deutlich komplizierter. Denn zu lizenzierende IoT-Devices können als neue Produkte entstehen und sich auch bei Kunden und Geschäftspartnern befinden. Lizenzmanagement für IoT muss daher über das eigene Unternehmen hinausgehen und vielleicht sogar an der Entwicklung von IoT-Angeboten mitwirken.

Durch eine wachsende Vielfalt und Komplexität an Lizenzmetriken und Abrechnungsmodellen, einer derzeit nur bedingt vorhandenen Toolunterstützung und komplexeren Schnittstellen sowie einer deutlichen Erweiterung des Wirkungskreises des Lizenzmanagements von der Entwicklung von IoT-Devices bis hin zu Systemen bei Endkunden, nehmen die Aufgaben des Lizenzmanagements erheblich zu.

Ein kostengünstiger oder etwaig kostenloser Einstieg in IoT-Themen wirkt zwar verführerisch, kann aber zu unerwünschten Abhängigkeiten führen und sollte mit Vorsicht „genossen“ werden.

Setzen Sie sich rechtzeitig aktiv mit dem Thema auseinander, denn derzeit ist das Differenzierungspotential des Themas noch groß, um mit der Einführung in kleinen Schritten eine bemerkenswerte Fülle an Marktchancen zu nutzen. Sollte dies nicht selbstständig möglich sein, kann die Unterstützung durch externe und idealerweise unabhängige (IT-) Berater zielführend sein.[9]

 

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website.

 

Masoud Yusofi

Co-Autor und Recherche: Masoud Yusofi

 

 

 

 

 

 

[1] Vgl. Andelfinder, V. P. / Hänisch, T. (2015), S. 9 – 11.

[2] Vgl. Gartner Top 10 Tech Trends.

[3] Vgl. IDC FutureScape.

[4] Vgl. https://news.sap.com/germany/iot-szenarien-itelligence/?source=email-de-newscenter-newsletter-20171115&lf1=7771632509e6428202421e82060245

[5] Vgl. https://www.heidelberg.com/global/de/company/press_1/press_release/press_release_details/press_release_59328.jsp​

http://www.ptc-de.com/News/2016/heidelberger-druckmaschinen-ag-setzt-auf-ptc-thingworx-technologie.

[6] Vgl. Wanner, Herbert (o. J.), S. 3.

[7] Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e.V.

[8] Vgl. https://www.it-matchmaker.com/news/dsag-fordert-rechtssicherheit-fuer-sap-kunden/#more-3332.

[9] Vgl. Schalla, P. (2014), S. 12.