Wie in einem früheren Artikel an dieser Stelle berichtet (Link), gab der US-amerikanische Softwareanbieter Flexera Software LLC Anfang Mai 2018 die Übernahme der schweizerischen Brainware Holding AG (Schweiz) (kurz: brainwaregroup) bekannt.

Unter der Dachmarke „Spider“ unterstützen die Lösungen der brainwaregroup das IT-Asset- und Lizenzmanagement und das Vertragsmanagement. Die „Spider“-SAM Suite deckt die Anforderungen an diese Management-Themen mit den drei Modulen „Spider Asset“, „Spider Licence“ und „Spider Contract“ ab.

Im Rahmen der Übernahme versprach die brainwaregroup in einer E-Mail an ihre Kunden, dass Flexera den Support der „Spider“-Tools für drei Jahre gewährleisten würde. Entsprechende Nachfragen von HiSolutions nach Art, Umfang und Dauer des Supports für die genannten „Spider“-Produkte blieben allerdings bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des ersten Blog-Artikels unbeantwortet. Mittlerweile gibt es jedoch Antworten auf diese und andere Fragen, welche sich Kunden der brainwaregroup berechtigterweise stellen dürften.

Als wichtigste Antwort vorab: die „Spider“-SAM Suite wird für die eingangs erwähnten drei Jahre (d.h. bis Mai 2020) in vollem Umfang weiter wie gewohnt unterstützt. Dies umfasst sowohl kommende (und offiziell bestätigte) Major Releases als auch den telefonischen Support in bisher gewohntem Umfang durch das bestehende Support-Team.

Nach Ablauf dieser drei Jahre wird die Weiterentwicklung der „Spider“-SAM Suite eingestellt und es wird keine weiteren Major Releases für brainware-Produkte geben. Es ist nach Auskunft der brainwaregroup angedacht, dass danach noch ein rudimentärer Support für weitere zwei Jahre vorgehalten wird, welcher nur noch die Behebung technischer Fehler umfassen soll. Der Funktionsumfang wird in dieser Zeit nicht mehr erweitert, auch die Fortführung des telefonischen Supports ist bisher nicht vorgesehen. Brainwaregroup hat allerdings signalisiert, dass die Möglichkeit individueller Support-Lösungen derzeit nicht ausgeschlossen wird.

Bereits während der drei Jahre bietet die brainwaregroup bzw. Flexera ihren Kunden mit laufenden Wartungsverträgen auch die Option, auf die Flexera „FlexNet Suite“ umzusteigen. Ein Umstieg auf eine funktionsidentische Flexera-Lösung soll dabei kostenneutral sein, einzig für zusätzliche „FlexNet“-Funktionen werden Kosten anfallen. Wenig überraschend ist somit, dass die Migration von „Spider“ auf „FlexNet“ nicht mit verringerten Kosten einhergeht.

Sollten sich Kunden für eine Migration entscheiden, werden Flexera und brainwaregroup hierfür in naher Zukunft ein kostenfreies Tool anbieten, mit dessen Hilfe eine Migration nicht-individualisierter Implementierungen mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich sein soll. Für Kunden, die hochindividualisierte „Spider“-Tools einsetzen, wird eine Migration auf Flexera-Produkte nur mit höherem personellen und zeitlichen Aufwand möglich sein. Der zeitliche Aufwand für eine Migration individueller brainwaregroup-Lösungen auf „FlexNet Manager“ dürfte sich vermutlich im zweistelligen Tages-Bereich bewegen.

Aufgrund der nun absehbaren Entwicklungs- und Supporteinstellung der „Spider“-Tools ist eine Migration also unausweichlich. Dabei stellt sich die Frage, ob die naheliegende Migration zu „FlexNet“ oder gar einem gänzlich anderen SAM-Tool Sinn macht, denn auch andere Anbieter unterbreiten in diesen Tagen teils lukrative Umstiegsangebote.

Da der Zeitrahmen von nunmehr zweieinhalb Jahren für eine Migration eines „Spider“-Produktes auf „FlexNet“ oder ein anderes SAM-Tool schneller vergehen kann als gedacht, ist es wichtig, zum frühestmöglichen Zeitpunkt ein genaues Bild über die bestehenden Optionen zu erlangen.

Alleine um im kommenden Jahr 2019 die Notwendigkeit einer Migration prüfen zu können, muss in vielen Firmen und Behörden noch in den kommenden Wochen entsprechendes Budget beantragt werden. Auch die darauffolgende eigentliche Migration von „Spider“ auf „FlexNet“ oder ein alternatives SAM-Tool ist mit hohen finanziellen und personellen Aufwänden verbunden, welche entsprechend frühzeitig geplant und budgetiert werden sollten.

Im Hinblick auf das sicher bevorstehende Ende von „Spider“ ist also zu evaluieren, welches Tool die individuellen Anforderungen des SAM-Bereichs bestmöglich abdeckt. Folgende Fragen sollten in dem Zusammenhang zeitnah geklärt werden:

  • Welche Anforderungen an ein SAM-Tool bestehen in meiner Organisation?
  • Welche Funktionalitäten von „Spider“ sind wichtig und kritisch für den erfolgreichen Ablauf der implementierten Prozesse?
  • Welche Anforderungen konnten bisher nicht von „Spider“ abgedeckt werden?
  • Welche Anforderungen könnten von „FlexNet“ abgedeckt werden?
  • Was kann „FlexNet“ aktuell nicht abdecken?

Die Antworten auf diese Fragen geben einen ersten Hinweis, wie weiter verfahren werden kann. Eine umfangreiche Anforderungserhebung für die Wahl des zukünftigen SAM-Tools ist in jedem Fall zu empfehlen, denn nur auf dieser Basis ist ein Abgleich mit den Funktionalitäten „FlexNets“ oder anderer Tools möglich.